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Kindheit im Schatten der Mauer

In Kreuzberg, wenige hundert Meter von der Berliner Mauer entfernt, wächst Aro Kurth auf. Als diese im August 1961 gebaut wird, ist er gerade ein paar Monate auf der Welt. Die Mauer gehört zu seinem Leben „wie selbstverständlich dazu“. Mit seinen Freunden geht er oft ans Ende der Alexandrinenstraße. Hier verschwindet die Straße im "Nichts“, direkt unter der Mauer. Es ist verboten, auf die Bäume zu klettern, aber spannend. Die Jungen können von dort den Todesstreifen und die Hinterlandmauer sehen. Später wird die Mauer Objekt einer Mutprobe der Clique: „Wer traut sich, auf der Mauer entlangzulaufen?“ Über die Bäume klettern sie auf die Mauerkrone. Eine DDR-Grenzstreife entdeckt die balancierenden Jugendlichen. Die Soldaten brüllen ihnen direkt ins Gesicht. Panisch lassen sich die Jungen auf die Westseite der Mauer fallen. Einer verletzt sich dabei schwer.
Als selbstverständlich empfindet Aro Kurth die Mauer nun nicht mehr. Aber sie gehört zu seinem Alltag, bis sie im Herbst 1989 fällt.

Grenzanlagen an der Alexandrinenstraße mit Wohngebäuden an der Stallschreiberstraße in Kreuzberg (West-Berlin) und an der Heinrich-Heine-Straße (Ost-Berlin). Aufnahme vom 10. Mai 1990.© Robert-Havemann-Gesellschaft/Bernd Markowsky